Stifterverbandsprojekt: Vom Lehren zum Lernen und zurück

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Verglichen mit anderen Ländern sind in Deutschland vor allem aufgrund der Dauer der Lehrerausbildung die Voraussetzungen für die Entwicklung von Professionalität günstig. Die universitäre wie die berufsvorbereitende Phase der Lehrerausbildung vermitteln in fachlicher Hinsicht eine solide Grundlage. Lehramtsstudierende, Referendare und erfahrene Lehrkräfte besitzen ein breites, allerdings eher implizites Handlungswissen über die Gestaltung von Unterricht und eine differenzierte Vorstellung von gelingendem Unterricht im jeweiligen Fach. Obwohl also die fachlichen Voraussetzungen als gut betrachtet werden können, sind die Ergebnisse des Unterrichts allerdings eher unbefriedigend, wie mittlerweile zahlreiche, auch internationale Studien zeigen. Da professionalles Wissen und Kompetenzen vor allem in Praxisphasen während des Studiums und des Referndariats sowie in den ersten Berufsjahren erworben werden, ist es wichtig, die beruflichen Haltungen und Überzeugungen in einem Prozess der Selbstreflexion und Selbstvergewisserung selbst zu thematisieren. Das praxis- und erfolgsbezogene Sammeln von Erfahrungen und Routinen und die damit verbundene Integration in die Berufskultur der (Fach)Lehrerschaft gehören notwendig zu einem gelingenden Professionalisierungsprozess. Eine kritische Rückbeziehung auf die eigene pädagogische Tätigkeit ist notwendig, und zwar eine Selbstvergewisserung über die Adäquatheit der Handlungsstrategien und die Bereitschaft die eigenen Kompetenzen weiterzuentwickeln und auf neue Situationen zu beziehen. Selbstvergewisserung und kollegialer Austausch darüber sind auch eine notwendige Voraussetzung für die Optimierung von Unterricht und Schule insgesamt.

Unter der Perspektive der Kompetenzentwicklung in der Lehrerbildung ist in Thüringen, insbesondere in der zweiten Phase, das Portfolio als Instrument der studienbegleitenden Beratung entwickelt und verpflichtend eingeführt worden. Der besondere Wert des Portfoliokonzepts besteht darin, dass Beratungs- und Leistungssituationen streng getrennt werden, und die Portfolioauswertung mit bewertungsfreien Perspektivgesprächen zwischen Beratern und Beratenen stattfindet. Vergleichbare Vorstellungen sind auch in anderen Bundesländern aufgestellt worden. In der Arbeitsgruppe am Lehrstuhl für Schulpädagogik und Didaktik wird das Portfoliokonzept für alle drei Phasen der Lehrerbildung konzeptionell ausdifferenziert und hinsichtlich seiner Tragfähigkeit empirisch geprüft. 

Projektrelevante Publikationen:

  • Gläser-Zikuda, M. (accepted). Self-reflecting methods of learning research. In N. Seel (Ed.), Encyclopedia of the Sciences of Learning. New York: Springer.
  • Gläser-Zikuda, M. (Hrsg.) (2010). Lerntagebuch und Portfolio aus empirischer Sicht. Landau: Empirische Pädagogik.
  • Gläser-Zikuda, M. (Hrsg.) (2009). Lerntagebuch und Portolio auf dem Prüfstand (2. Aufl.). Landau: Empirische Pädagogik.
  • Gläser-Zikuda, M. (2007): Lehramtsstudierende reflektieren und evaluieren ihr Unterrichtshandeln - zum Potenzial des Tagebuch-Ansatzes. Gruppendynamik und Organisationsberatung, 38 (1), 43-57.
  • Gläser-Zikuda, M. & Hascher, T. (Hrsg.) (2007). Lernprozesse dokumentieren, reflektieren und beurteilen. Lerntagebuch und Portfolio in Bildungsforschung und Bildungspraxis. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Projektleitung:

Prof. Dr. Michaela Gläser-Zikuda
Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg
Institut für Erziehungswissenschaft
Lehrstuhl für Schulpädagogik
Kontakt: michaela.glaeser-zikuda@fau.de

Beteiligte:

Dr. Sascha Ziegelbauer
Friedich-Schiller-Universität Jena
Institut für Erziehungswissenschaft
Lehrstuhl für Schulpädagogik und Didaktik
Kontakt: sascha.ziegelbauer@uni-jena.de

Susanne Jeuk
Staatliches Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien Jena
Philosophenweg 26
07743 Jena

Regina Schlegelmilch
Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung
und Medien (Thillm)
Heinrich-Heine-Allee 2-4
99438 Bad Berka

Tana Stark

Regina Winkler-Sangkuhl
Institut für Erziehungswissenschaft
Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie

Studentische Hilfskraft

Tina Neumann